Der Martinstag oder auch St. Martin, wird am 11. November begangen und ist dem Heiligen Martin von Tours gewidmet.

Die Geschichte des Heiligen Martin von Tours

Um den Heiligen Martin von Tours ranken sich einige Legenden und Geschichten, die vom Leben Martins und seinen Taten erzählen. Den Überlieferungen zufolge wurde er ungefähr 316 in Sabaria (Ungarn) geboren. In seiner Jugend wurde er unter Kaiser Constatinus und Julian als Soldat einberufen. Bereits hier zeichnete sich Martin von Tours durch seine große Hilfsbereitschaft und Bescheidenheit aus.

Im Jahr 334 ereignete sich die berühmte Legende der Mantelteilung. An einem bitterkalten Winterabend traf Martin während seines Offiziersdienstes am Stadttor von Amiens auf einen leicht bekleideten und frierenden Bettler. Da sonst niemand dem armen Mann half, zerteilte Martin seinen warmen Mantel mit dem Schwert und gab dem Mann einen Teil des Mantels. Manche Soldaten verspotteten ihn, Andere grämten sich in ihrem schlechten Gewissen. Zudem heißt es, dass Martin sogar eine dreitägige Arreststrafe hinnehmen musste, da er Militäreigentum mutwillig zerstört hatte. Nach dieser großzügigen Tat erschien ihm Jesus mit dem halben Mantelteil im Traum. Da wurde Martin bewusst, dass es Jesus war, der ihn als Bettler verkleidet, einer Prüfung unterzogen hatte. Nach dieser Begebenheit beendete Martin den Militärdienst und ließ sich taufen.

Im Jahr 361 gründete er das abendländische Kloster. Im Juli 371 wurde er auf Wunsch des Volkes zum Bischof von Tours ernannt. Des Weiteren unternahm Martin zahlreiche Missionarsreisen, auf denen er sich mit den Sorgen und Bedürfnissen der Armen und der einfachen Bevölkerungsschicht beschäftigte. Er selbst lebte bescheiden und verzichtete auf jegliche Vorzüge, die das Bischofsamt mit sich brachte. Zahlreiche über ihn verfasste Schriften, unter anderem von Sulpicius Severus (Vita S. Martini) machten Martin von Tours im christlichen Reich bekannt.

Während einer der Reisen starb Martin von Tours am 08. November 397. Am 11. November, dem heutigen Martinstag, wurde er unter großem Volksauflauf beigesetzt. Er ist einer der ersten Nichtmärtyer, der zugleich als Heiliger verehrt wurde. Auch heutzutage ist seine Bescheidenheit und charakteristische Lebensweise das Idealbild vieler Mönche.

Die Legenden um Martin von Tours fanden im gesamten Reich Verbreitung. Über seiner Grabstätte wurde im 5. Jahrhundert wurde von seinem Schüler Brictus eine Kapelle erbaut, aus der später eine größere Basilika und anschließend das heutzutage bekannte Kloster St. Martin entstand. Martin von Tours wurde zudem vom Frankenkönig Chlodwig zum Nationalheiligen ernannt.

Die Martinsverehrung wurde vor allem mit der Ausdehnung der fränkischen Regionen immer stärker zelebriert. Bereits im 6. Jahrhundert galt der 11.November in gallischen Gebieten als Anfang einer Fastenzeit. Der letzte Abend vor Beginn des Fastens wurde gebührend mit viel Essen und Wein gefeiert. Zudem wurde das Vieh, für das die Versorgungskosten über den Winter zu hoch waren, geschlachtet oder es wurde im Gedenken an Martin von Tours an die Armen verschenkt.

Das Brauchtum rund um den Martinstag geriet jedoch im 18 und 19. Jahrhundert zunehmend in Vergessenheit. Unter der Regierung Hitlers wurden der Martinstag und die Martinsverehrung zunächst völlig in den Hintergrund gedrängt. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Bräuche rund um St. Martin wieder hervorgerufen. In den evangelischen Glaubensgemeinschaften steht der 11.November nicht nur mit Martin von Tours, sondern auch mit Martin Luther und seinem Tauftag in Verbindung.

Heutzutage stellt Martin von Tours einen wichtigen Schutzpatron, unter anderem für Frankreich, Schwyz (Kanton in der Schweiz), die Soldaten, Armen und Reiter dar.

Brauchtum rund um den Martinstag

Martinsgans

Die Martinsgans, gefüllt mit Äpfeln oder Kastanien, ist das traditionelle Essen am St. Martin. Die Wurzeln dieses Brauchs reichen bis in das Mittelalter zurück, als die Bauern jene Gänse am Abend vor der Fastenzeit schlachteten und verspeisten, die sie nicht den Winter über versorgen konnten.

Die Person Martin von Tours steht den Legenden nach aber auch noch in anderer Verbindung zu Gänsen. So soll sich der Heilige Martin aus Bescheidenheit im Gänsestall versteckt haben, als ihn das Volk zum Bischof küren wollte. Eine andere Geschichte erzählt, dass die Predigt des Bischofs Martin von laut schnatternden Gänsen, die in der Kirche umher liefen, unterbrochen wurde.

Die Gans als traditionelles Symbol am St. Martin kann aber auch dem 11. November als Pacht- und Zinstag im Mittelalter geschuldet sein. An diesem Tag wurden die Zinsen eingeholt, die unter anderem mit Gänsen als Zahlungsmittel beglichen wurden.

Martinsumzug

Der traditionelle Martinsumzug soll an die Legende der Mantelteilung erinnern. Der Umzug wird in der Regel von einem Schimmelreiter und einem als Bettler verkleideten Mann angeführt. Dem folgen die Kinder, die üblicherweise selbst gebastelte Laternen mit sich tragen. Begleitet wird der Umzug von traditionellen Martinsliedern. Am Umzugsziel wird die Legende der Mantelteilung nachgespielt und den Kindern spezielles Gebäck, z.B. das traditionelle Martinshörnchen gereicht.

Einige Regionen verfolgen zudem die Tradition, dass nicht nur der Reiter, sondern auch ein verkleidetes Kind auf dem Schimmel sitzt. Dieses sagt Gebete auf oder schenkt den anderen Kindern Nüsse oder Äpfel.

Martinssingen

Meist findet nach den Umzügen das Martinssingen statt. Dabei ziehen Kinder mit ihren Laternen von Haus zu Haus und singen. Sie erbitten damit kleine Gaben wie Süßigkeiten, Gebäck oder Obst.

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